Letzte Aktualisierung: 13.10.2020

ZEDE – Inseln des Wohlstands im Chaos von Armut, Gewalt und organisiertem Verbrechen?

28.11.2020, München

Das Ökü-Büro München und die BUKO organisieren in Kooperation mit dem Kurt-Eisener-Verein München und der Rosa Luxemburg Stiftung am 28.11.2020 ein Seminar zum ZEDE, der weltweit ersten extraterritorialen Modellstadt, die derzeit in der honduranischen Karibik entsteht. Die dort ansässigen Garífuna-Gemeinden kämpfen indes um ihre Landrechte und ihre Existenz.

Die Existenz der afroindigenen Garífuna an der Karibikküste von Honduras ist akut in Gefahr: Eisenerz-Tagebaue, ein Schwerölkraftwerk, riesige Ölpalmplantagen, Hafenprojekte, Anleger für Kreuzfahrtschiffe und Luxusressorts, aber auch vermehrte Hurrikans durch den Klimawandel  und schwimmende Müllinseln bedrohen ihre Zukunft. Hinzukommt die starke Präsenz des organisierten Verbrechens, der landraubenden Drogenbarone und die Komplizenschaft des Staates mit diesen Kräften. Viele Garífuna flüchten vor Gewalt und Armut in Richtung Norden. Die Organisation OFRANEH kämpft gegen diese Entwicklung an und versucht, Kultur und Territorien der Gemeinden zu erhalten, Landrechte zurückzugewinnen und alternative Entwicklungsmodelle aufzubauen.

Gleichzeitig entsteht derzeit auf der Karibikinsel Roatán „Prospera“ - die weltweit erste „Charter City“ eine extraterritoriale Modellstadt für private Investoren mit eigener Gesetzgebung und Rechtsprechung. Ganz vorne mit dabei ist ein Tochterunternehmen der Technischen Universität München. InSITE BAVARIA entwickelt nach eigener Aussage die wirtschaftlichen Aktivitäten der Zone für Beschäftigung und Ökonomische Entwicklung (ZEDE) Próspera und will einen künftig ebenfalls als ZEDE geplanten Industriestandort in der Küstenstadt La Ceiba verwalten. Zitat: „Top-Entscheidungsträger aus Industrie und Finanzen werden durch Standortentwicklungs- und B2B-Workshops in Deutschland und Honduras frühzeitig in die Planung und Einrichtung des Wohlstandszentrums eingebunden. Schlüsselindustrien wie die landwirtschaftliche Verarbeitung mit hoher Wertschöpfung, die Herstellung modularer Gebäude, BPO und MRO-Dienstleistungen für Fluggesellschaften werden Möglichkeiten für die Produktionskapazitäten der Menschen in der nördlichen Bucht von Honduras bieten.“

Das Seminar gibt Informationen über die bisher in der deutschen Öffentlichkeit kaum bekannte rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen der ZEDE sowie über die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage in Honduras und erklärt die Situation und Perspektive der Garífuna-Gemeinden an der Karibikküste. Im Anschluss soll erarbeitet und diskutiert werden, was die Einrichtung von ZEDE und das Engagement einer renommierten deutschen Universität in diesem Kontext bedeuten und wie sie zu bewerten sind. Den Teilnehmenden soll die Möglichkeit gegeben werden, sich begründet zu positionieren und eigene Schlussfolgerungen zu ziehen.

 Das Seminar ist als Präsenzseminar in einem großen Saal in München vorgesehen, damit Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden können. Die Referentin aus Honduras wird digital zugeschaltet und konsekutiv übersetzt. Nähere Infos folgen.

Anmeldung über martin(at)buko.info oder elsal(at)oeku-buero.de

 Wir danken der Rosa Luxemburg Stiftung für die finanzielle Unterstützung des Seminars!