Letzte Aktualisierung: 27.05.2020

Presseerklärung gegen die vorübergehende Schließung und Zwangsräumung des Lampedusa-Zeltes in Hamburg

30.03.2020, Hamburg

Am Donnerstag, den 26.03.2020 wurde das Zelt der Gruppe "Lampedusa in Hamburg" polizeilich geräumt. Seit 7 Jahren organisieren Geflüchtete mit dem Zelt einen bedeutsamen Anlaufpunkt für Geflüchtete, der zum Symbol für ihre Kämpfe um ein Bleiberecht geworden ist. Wir verurteilen die Räumung aufs schärfste und dokumentieren die Presseerklärung der Gruppe Lampedusa in Hamburg.

*Lampedusa in Hamburg*

*Presseerklärung gegen die vorübergehende Schließung und Zwangsräumung des Lampedusa-Zeltes am Steindamm*

Hamburg, 30.03.2020

Am Donnerstag, 26.03.2020 zwischen 5:30 und 8:00 Uhr, nach einer gewalttätigen und unangekündigten Polizeirazzia, wurde das Lampedusa-Zelt am Steindamm abgebaut und entfernt.

Wir, die Gruppe Lampedusa in Hamburg, verurteilen die politische Entscheidung, die zu dieser schamlosen und rücksichtslosen Aktion geführt hat, auf das Schärfste.

Seit Beginn der Coronavirus-Notlage in Deutschland ist die Gruppe aktiv, um Informationen zu verbreiten und die vielen undokumentierten Geflüchteten zu unterstützen, die um den Hamburger Hauptbahnhof herum Hilfe und Unterstützung suchen.

Seit sieben Jahren ist das Zelt ein Symbol und ein zentraler Punkt unseres Kampfes für die Bewegungsfreiheit und das Bleiberecht in Deutschland. Um unseren politischen Kampf auch in den schwierigen Zeiten des Coronavirus fortzusetzen, arbeitet die Gruppe von Anfang an mit den Hamburger Behörden zusammen.

Bereits am 16. März, nach der Allgemeinverfügung zur Eindämmung des Coronavirus in Hamburg, hielt sich die Gruppe an die neuen Vorschriften. In der Woche vor dem erzwungenen Abbau unseres Zeltes am Steindamm wurden einige präventive Maßnahmen ergriffen. Die Gruppe hatte alle ihre Aktivist*innen aufgefordert, sich nicht um das Zelt herum zu versammeln, außerdem waren zu jeder Zeit nur maximal zwei Mitglieder aus Lampedusa im Zelt anwesend, um die permanente Manifestation fortzusetzen.

Die Aktivist*innen von Lampedusa in Hamburg hatten keinen Vorbehalt gegen die Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung des Virus, und zusammen mit dem politischen Verantwortlichen des Zeltes (Martin Dolzer) stand die Gruppe in direktem Kontakt und in Verhandlungen mit den Hamburger Behörden.

Am 26. März beschlossen die neu gewählte Koalition und die Polizei als Antwort auf unsere Zusammenarbeit und unseren Aufruf zur Bereitstellung von Wohnraum und medizinischer Versorgung für alle in Hamburg und in Deutschland lebenden undokumentierten Geflüchteten, unser Zelt mit Gewalt zu räumen.

Zwei Gruppen von Polizisten führten eine Razzia auf dem Lampedusa-Platz durch und wendeten Gewalt gegen die wenigen anwesenden Aktivist*innen an. Das Filmen und Dokumentieren der Aktion war nicht erlaubt und die beiden Gruppenmitglieder wurden verhaftet und später ohne weitere Erklärungen freigelassen.

In diesen schwierigen Zeiten haben die Behörden, anstatt sich solidarisch zu zeigen, erneut ihre Repressionen zur Schau gestellt.

Wir, die Gruppe Lampedusa in Hamburg, rufen alle Vereine, politischen Gruppen, Aktivist*innen und Privatpersonen Hamburgs zur Solidarität auf. Schließen Sie sich unserem politischen Kampf gegen den institutionellen Rassismus an. Das Zelt muss stehen bleiben!

Wir laden alle ein, durch individuelle Protestaktionen am "Lampedusa-Platz" Steindamm 2 an unser Zelt zu erinnern.

Wir fordern:

*#Aufbau des Zelts am alten Ort! #Wohnraum und Gesundheitsversorgung für alle!*

*#Lampedusa ist überall!*