Letzte Aktualisierung: 25.03.2019

Zur Aktuellen Situation in Kurdistan

18.12.2018, Hamburg/Kurdistan

Schluss mit den türkischen Angriffen auf Nord-syrische Föderation, Shengal und Maxmur!

Das Hamburger Afrin-Bündnis zur aktuellen Lage in Kurdistan.

 

Die Drohungen der Türkei gegen die kurdische Gesellschaft und Rojava dauern an. Der türkische Staatspräsident Erdoğan hat eine weitere Militärinvasion angekündigt. Sie werde in wenigen Tagen beginnen, sagte er am Mittwoch (12.12.2018) während einer Rede bei einem Treffen mit Vertretern der türkischen Verteidigungsindustrie in Ankara. Man wolle sich „das Spiel an den Landesgrenzen“ nicht weiter anschauen und nun auch östlich des Euphrats aktiv werden, um die dortigen Menschen „vor der separatistischen Terrororganisation“ zu retten, so Erdoğan. Am 13.12.2018 griffen türkische Kampfflugzeuge Zivile Stellungen in Maxmur (Süd-Kurdistan) und in Shengal (Irak) an. In Maxmur wurden dabei vier Frauen getötet.

Der sogenannte Osten des Euphrat ist die kurdische Region Rojava, ist Nordsyrien, der Boden eines anderen Landes. Der türkische Staat greift die Kurdinnen und Kurden, sowohl innerhalb seiner eigenen Grenzen, als auch außerhalb, sobald er eine Gelegenheit dazu findet immer wieder an. Mit diesen Angriffen tritt er Recht, Gerechtigkeit, Moral und menschlichen Werte mit Füßen. Gegen diese brutalen Angriffe erhebt die Weltöffentlichkeit leider nicht genügend ihre Stimme. Dies ermutigt den Diktator Erdoğan in seinem Handeln und und schafft Räume für die Angriffe seiner Kräfte.

Ein Grund für die Angriffe des Erdoğan-Regimes auf Rojava ist auch seine Unterstützung für den Islamischen Staat und ähnliche dschihadistische Kräfte. Im vergangenen Oktober hatten die Demokratischen Kräfte Syriens den Islamischen Staat beinahe endgültig zerschlagen. Doch Erdoğan und seine Armee kamen zur Rettung. Am 28. Oktober 2018 intensivierten sie ihre Angriffe auf Rojava. Aufgrund dieser Angriffe der türkischen Armee waren die Demokratischen Kräfte Syriens dazu gezwungen ihre Operationen gegen den Islamischen Staat einzustellen. Wenn es diese Angriffe der Türkei nicht gegeben hätte, dann wären die heute noch vom Islamischen Staat kontrollierten Gebiete wohl schon befreit. Die Angriffe der Türkei haben den Islamischen Staat am Leben gehalten. Dieser hat die Gunst der Stunde sogar zu nutzen gewusst und sich zum Teil wieder ausgedehnt.

Durch die Intervention internationaler Kräfte, vor allen den USA wurden die Angriffe der Türkei gestoppt. Mit dem Ende der Angriffe haben auch wieder die Anti-IS-Operationen begonnen. Diese Operationen der Demokratischen Kräfte Syriens haben sich nun wieder intensiviert. Einen Tag vor der Erklärung Erdoğans Rojava innerhalb weniger Tage anzugreifen, erklärte der US-Präsident Trump noch, dass die verblieben IS-Gebiete innerhalb von 30 Tagen befreit werden würden. Im Falle einer Intervention auf Rojava werden die Demokratischen Kräfte Syriens dazu gezwungen sein ihre Kräfte zur Selbstverteidigung zurückzuziehen. In diesem Falle wird der Islamische Staat wieder profitieren. Darüber hinaus befinden sich gegenwärtig über 800 ausländische IS-Kämpfer in den Händen der demokratischen Selbstverwaltung von Nordsyrien. Diese Kämpfer werden im Falle einer türkischen Besatzung befreit werden und eine globale Bedrohung darstellen.

Die Türkei hat Anfang dieses Jahres den nordsyrischen Kanton Afrin angegriffen und besetzt. Afrin war eine Oase des Friedens, während der Krieg in den letzten sieben Jahren ganz Syrien zerstörte. Mit der türkischen Besatzung wurde Afrin in Schutt und Asche gelegt, hunderttausende Menschen mussten fliehen. Die Menschen von Afrin erleben tagtäglich Massaker, Vergewaltigungen, Entführungen, Zerstörungen und andere Brutalitäten. Afrin, die Insel der Toleranz, ist heute eine Ausbildungsstätte für Salafisten geworden. Die Türkei möchte diese Kräfte nun auch östlich des Euphrat verlagern. Es ist bekannt wie sehr die Türkei diese Salafisten unterstützt. Die Türkei verübt in Rojava und ganz Kurdistan Menschenrechts- und Kriegsverbrechen.

Die Weltöffentlichkeit darf angesichts dieser Angriffe nicht Schweigen. Denn Schweigen angesichts solcher Unterdrückung bedeutet Mitschuld. Vor allem der Internationalen Anti-IS-Koalition fällt eine Verantwortung zu. Wenn der Islamische Staat in der Region nicht wiederbelebt werden soll, wenn es nicht wieder zu Anschlägen in den Metropolen Europas und anderen Orten der Welt kommen soll, dann müssen die Angriffe des türkischen Staates sofort gestoppt werden. Die Völker in Rojava und im Nordosten Syriens, die im Kampf gegen die Barbarei des Islamischen Staates tausende ihrer Angehörigen verloren haben, im Widerstand gegen diese türkischen Besatzungsangriffe alleine zu lassen, wird der Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen in die internationale Koalition, der UNO und der demokratischen Weltöffentlichkeit einen großen Schlag versetzten. Ein Schweigen gegenüber den Angriffen der Türkei wird der politischen Front dienen, die sich gegen eine Demokratisierung des Mittleren Ostens stellt. Dies wird einen Glaubensverlust der Völker in der Region, vor allem der kurdischen Gesellschaft auf universelle demokratische Werte mit sich bringen. In diesem Sinne rufen wir alle internationalen Institutionen, vor allem die UNO, als auch die USA, Russland sowie die EU-Länder dazu auf, dem Angriff der Türkei auf Rojava Einheit zu gebieten.

Das Hamburger Afrin-Bündnis lädt aus gegebenen Anlass zu einer Dringlichkeitssitzung ein:

Mittwoch, 19.12.2018,

19:00 Uhr

Büro der Linken Altona

Am Felde 2, 22765 Hamburg