![]() |
Sprudelnde Geschäfte:
|
Pressemitteilung der BUKO-Pharma-Kampagne vom 14.12.04Schädliches und Überflüssiges für die 3. WeltDeutsche Pharmafirmen gehören zu den größten Anbietern von Arzneimitteln in der Dritten Welt. Die neue Arzneimittelstudie von entwicklungspolitischen Gruppen kratzt am positiven Image der Branche. Vier von zehn Medikamenten deutscher Firmen mussten negativ bewertet werden.Zum vierten Mal ließ die BUKO Pharma-Kampagne das Arzneimittel- angebot deutscher Hersteller in den Ländern des Südens durch ExpertInnen bewerten. Zum wissenschaftlichen Team gehörten dabei u.a. der renommierte Pharmakologe Prof. Dr. Peter Schönhöfer sowie Dr. Günter Hopf, Arzt für Pharmakologie und Toxikologie und Apotheker. Das Fazit der Studie: Von über 2.500 bewerteten Arzneimitteln müssen fast 1000 (39%) nach klinisch-pharmakologischen Kriterien als irrational gelten. Nicht wenige dieser Mittel sind sogar gefährlich und einige in Deutschland verboten. Bei vielen ist der therapeutische Nutzen nicht ausreichend belegt. In Brasilien gibt es mit 333 irrationalen Produkten besonders viele fragwürdige deutsche Medikamente. Irrationale Arzneimittel schaden aber nicht nur einzelnen PatientInnen. Sie verschwenden knappe Ressourcen und verursachen unnötige Kosten. Vor allem in den fünfzig ärmsten Ländern, in denen weniger als fünf US $ pro Kopf und Jahr für Medikamente zur Verfügung stehen, hat dies gravierende Folgen. Kombinationspräparate mit mehreren Wirkstoffen machen fast die Hälfte aller negativ bewerteten Arzneimittel aus. So mussten 70 von 80 Vitaminpräparaten negativ bewertet werden, meist unsinnige Kombinationen. Aber es gibt auch weitaus Gefährlicheres: Mehrere Firmen bieten metamizolhaltige Schmerzmittel-Kombinationen an, die eine lebensbedrohliche Blutbildungsstörung (Agranulozytose) und einen Schock auslösen können. Solche Mittel sind in Deutschland seit 1986 verboten. Besonders bedauerlich ist die Tatsache, dass das Angebot der deutschen Pharmaindustrie für wichtige Erkrankungen in den untersuchten Ländern äußerst dürftig ist. So gab es lediglich elf Malariamittel und elf Mittel gegen Wurmerkrankungen. Medikamente gegen AIDS fanden sich sogar nur zwei. Zwischen den 33 deutschen Herstellern gibt es gravierende Unterschiede in der Qualität des Angebots. Während jedes zweite Mittel von Byk Gulden/Altana, Boehringer Ingelheim oder E. Merck irrational ist, ist es bei Fresenius nur jedes achte. Drei Hersteller vermarkten über der Hälfte (534) aller negativ bewerteten Medikamente (996). Spitzenreiter ist E.Merck mit fast 200 irrationalen Arzneimitteln, dicht gefolgt von Hoechst/ Aventis und Boehringer Ingelheim. Alles nur ein Problem der Dritten Welt? Keineswegs! Jedes vierte fragwürdige Mittel bieten dieselben Firmen auch in Deutschland an. Unsere Neuerscheinung Sprudelnde Geschäfte: Deutsche Medikamente in der Dritten Welt führt in verständlicher Sprache in die Problematik ein. Zahlreiche Beispiele sowie Parallelen zum deutschen Markt bieten Zündstoff für kritische VerbraucherInnen. Die Fachpublikation Daten und Fakten 2004 bietet detaillierte Hintergrundinformationen und präsentiert sämtliche Daten und Auswertungen. Die Broschüre gibt einen umfassenden Einblick in die Qualität des Arzneimittelsortiments deutscher Firmen in 46 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Die Fachpublikation erläutert Studienkonzeption und -methodik. Sie enthält zahlreiche Tabellen und Grafiken, sowie erklärende Texte. Alle untersuchten Arzneimittel sind samt Bewertung in einem Anhang nach Firmen sortiert aufgelistet. Daten und Fakten 2004 ist ein Muss für alle, die bei ihrer Arbeit auf eine fundierte kritische Einschätzung pharmazeutischer Produkte angewiesen sind und dabei auch einen Blick über den Tellerrand werfen wollen. Beide Neuerscheinungen sind bei der Pharma-Kampagne oder über den Buchhandel erhältlich. Sprudelnde Geschäfte: Deutsche Medikamente in der 3. Welt Daten und Fakten 2004: Deutsche Medikamente in der 3. Welt Homepage der BUKO Pharma-Kampagne: www.bukopharma.de
|
|
| > Publikationen > Top |