Die Bewegungen in Argentinien nach dem Finanzcrash im Dezember 2001
standen schnell im Zentrum einer linken Öffentlichkeit:
- weil die argentinischen Verhältnisse den europäischen so ähnlich waren;
- weil Millionen bisher mit Familienlohn versorgter Menschen sich plötzlich alternativer Ökonomie zuwandten;
- weil einige der Bewegungen dort die jüngste Umsetzung neuer emanzipatorischer Politikansätze leben.
Dieses Buch versucht durch Interviews vor Ort die Realität der
Erwerbslosenbewegungen nachvollziehbar zu machen - insbesondere von
einer Hausfrauengewerkschaft in Santa Fe und von den MTDs Solano und La
Matanza in Buenos Aires. Dabei untersucht es vor allem drei Aspekte:
- den ökonomischen: "Die haben da doch ganze Stadtteile, die sich
selbst versorgen" - dieses Gerücht hielt sich lange. Was ist dran an dieser
Beschreibung? Gelang es, Momente einer alternativen Ökonomie neben dem
Kapitalismus aufzubauen?
- den feministischen: Die Organisierung der Erwerbslosenbewegungen
geschah überwiegend durch Frauen, überwiegend waren es auch Frauen, die auf die
Straße gingen. Hat sich dies in der Form der Organisierung bemerkbar
gemacht? Wie verlief die folgende Entwicklung?
- den emanzipatorischen: "Solano ist eine Bewegung, die die
Selbstverwaltung organisiert", so Neka Jara von der MTD Solano, jener
Erwerbslosenbewegung, welche durch ihre Bezüge zum Zapatismus und ihrem
Anspruch, nicht-hierarchische Strukturen aufzubauen, zum Symbol dessen
wurde, was sich an neuem Politik-Ansatz in Argentinien abzeichnete. "Für
uns ist die Arbeit eine Möglichkeit, die Realität zu verändern. Es gibt
keinen Chef, der uns sagt, was zu tun ist, sondern wir entdecken, wie wir mit
Arbeit die Welt konstruieren können. Wir mussten unsere Realität neu
erschaffen: alles das, was mit dem Leben zu tun hat - Essen, Bildung,
Gesundheit." Wie sieht dieser alltägliche Kampf in der alltäglichen
Betrachtung aus?
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