Seminare und mehr

Vorbereitungsseminare:

Menschenrechtsbeobachtung in Chiapas:
 
Zeugenbegleitung in Guatemala:

14. - 17. Januar und 11. - 14. Februar 2010 in der Nähe von Göttingen
Teilnahmebeitrag: 140 € (für zwei Seminare)

 
nächstes Seminar im Frühsommer 2010

Teilnahmebeitrag: 70 €
Zum Download:
Seminarinfo Fließtext ohne Seminartermin, Faltblatt Chiapas, Inhalt Chiapas-Reader
 
Zum Download:
Seminarinfo
Fließtext ohne Seminartermin, Faltblatt Guatemala , Inhalt Guatemala-Reader

In den Seminaren werden Freiwillige auf ihre Tätigkeit als MenschenrechtsbeobachterIn bzw. ZeugenbegleiterIn vorbereitet. Wir bitten darum, sich bis spätestens 14 Tage vor Seminarbeginn anzumelden. Zur Vorbereitung auf die Seminare und die Arbeit in Chiapas bzw. Guatemala kann jeweils ein ausführlicher Reader bestellt werden (für 7€).

Anmeldung und weitere Informationen zu den Seminaren bei unserem Büro in Berlin.

Weitere Ankündigungen:

3 Urgent Actions, Mexiko. 1 Urgent Action, Guatemala

Morddrohungen, Guatemala (Carea)

Am Nachmittag des 14. September 2009 erhielt Jesús Tecú auf seinem Mobiltelefon einen Drohanruf von einem Unbekannten. Der anonyme Anrufer, dessen Mobilfunknummer als 45426616 angezeigt wurde, erkundigte sich, ob er mit Jesús Tecú spreche, woraufhin Jesús Tecú unverzüglich die Gegenfrage stellte, wer der Anrufer sei. Ohne seinen Namen zu nennen erklärte der Unbekannte: "Ich warne dich davor, das Gespräch zu beenden. Wir wissen alles über Dich, wir wissen wo du arbeitest, wann du zur Arbeit kommst und wann du nach Hause gehst. Wir wissen, wo du wohnst und wir wissen, in welche Schule einer deiner Söhne geht und um wie viel Uhr er auf dem Nachhauseweg ist. Willst du jetzt ein Abkommen mit mir schließen?"
Als Jesús Tecú vorgab, den Anrufer anhand seiner Stimme zu erkennen, ihm aber auf Rückfrage seinen Namen nicht nennen konnte, wurde der Unbekannte wütend, beschimpfte Jesus Tecú und drohte seine Kinder zu entführen, zu ermorden und zu zerstückeln. Der Unbekannte brach daraufhin das Gespräch ab.
Einer von Jesús Tecús Mitarbeitern rief daraufhin vom Festnetzanschluss des Büros, in dem sich Jesús aufgehalten hatte, die Nummer des Unbekannten zurück, und stellte die Frage, mit wem er spreche. "Du sprichst mit dem Tod", antwortete dieser und beendete das Gespräch.
Kurze Zeit später rief der Unbekannte erneut auf dem Mobiltelefon von Jesús Tecú an; anstelle von Jesús Tecú nahm jedoch sein Mitarbeiter das Gespräch an. Mit ausfallenden Bemerkungen erkundigte sich der Unbekannte nach dem Namen des Mitarbeiters und wiederholte die Morddrohungen gegen Jesús und seine Familie und machte klar, dass es keinen anderen Weg gäbe als zu kooperieren.
Jesús Tecú hat im Polizeipräsidium der Departmentshauptstadt Salamá unverzügliche Schutzmaßnahmen für sich und seine Familie und sofortige Ermittlungen gefordert. Ferner hat Jesús Tecú Anzeige bei der zuständigen guatemaltekischen Staatsanwaltschaft (Ministerio Publico) erstattet. In der vergangenen Woche wurden von staatlicher Seite allerdings keine ernst zu nehmenden Maßnahmen unternommen, um den Täter zu ermitteln und die Familie Tecú vor gewaltsamen Übergriffen zu schützen.
Da bislang keine konkreten Forderungen gestellt wurden, ist der Hintergrund der Drohungen derzeit noch unbekannt. In der Umgebung Rabinals operieren organisierte Erpresserbanden, die von Schutzgeldzahlungen leben. Gleichzeitig ist ein politischer Zusammenhang aufgrund des langjährigen Einsatzes von Jesús Tecú für Frieden, Gerechtigkeit und Aufarbeitung des Völkermords an den Maya-Achí im Landkreise Rabinal nicht auszuschließen. Jesús Tecú war und ist wichtiger Zeuge in Prozessen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene gegen Kriegsverbrecher des 36-jährigen bewaffneten Konflikts in Guatemala, der über 200.000 meist indigene Opfer forderte. Jesús Tecú hat in der Vergangenheit die Exhumierung von geheimen Massengräbern organisiert und leitet derzeit die Menschenrechtsorganisation /Bufete Juridico Popular/, die Gewaltopfern juristischen Beistand leistet. Auf mehreren Vortragsreisen durch Nordamerika und Europa hat er den Völkermord an der indigenen Bevölkerung Guatemalas sowie die aktuellen Lebensbedingungen der Maya-Achí in der Region Rabinals der Weltöffentlichkeit nähergebracht.
Jesús Tecú und seine Familie wurden im Zuge seiner Menschenrechtsarbeit bereits mehrfach Ziel massiver Drohungen und Einschüchterungen.

Briefvorschläge für diese UA

 

Dorfbewohner gefährdet, Oaxaca (amnesty international)

Die Bewohner einer Ortschaft im Süden Mexikos sind wiederholt von einer Gruppe bewaffneter Männer angegriffen worden. Nun haben die Angreifer die zum Schutz der Dorfbewohner entsandten Polizisten attackiert und vertrieben. Die Zufahrtsstraße zum Dorf wurde von ihnen ebenfalls blockiert, so dass die Einwohner von Hilfe von außerhalb abgeschnitten sind.
Am 11. Oktober drangen rund 100 mit Gewehren, Macheten und Stöcken bewaffnete Männer in die Ortschaft Santo Domingo Ixcatlán im Bundesstaat Oaxaca ein. Die Angreifer attackierten sechs zum Schutz der Dorfbewohner entsandte Polizisten und verletzten einen von ihnen mit einer Machete. Die Polizisten ergriffen daraufhin die Flucht. Auch die Angreifer zogen sich wieder zurück, errichteten dabei jedoch Straßensperren und schnitten auf diese Weise die Ortschaft von der Außenwelt ab. Unter den in Santo Domingo Ixcatlán eingeschlossenen Personen befindet sich auch María de la Luz Martínez, eine Mitarbeiterin der unabhängigen Menschenrechtsorganisation für Indigene Centro de Derechos Humanos y Asesoría a Pueblos Indígenas (CEDHAPI).

Hintergrundinformationen:
Gemeinschaften, die ihr Land zu verteidigen versuchen und sich gegen die Interessen privater Investoren zur Wehr setzen, sehen sich oftmals Drohungen und Schikanen seitens der Behörden ausgesetzt, welche sich mit den Lokalpolitikern verbünden. Die für Übergriffe Verantwortlichen werden nur selten ermittelt und vor Gericht gebracht.
Vor allem in den südlichen Bundesstaaten wie Oaxaca, die einem hohen Anteil an indigenen Bevölkerungsgruppen haben, tragen die Behörden keine ausreichende Sorge dafür, die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Sie lassen es zu, dass Lokalpolitiker Gemeinden kontrollieren und Morde wie auch andere Verbrechen begehen, ohne Strafverfolgung befürchten zu müssen.

Hier kann die Eilaktion online unterzeichnet werden: www.chiapas98.de/ua.php?id=56

Weitere Informationen

 

Einschüchterung von MitarbeiterInnen des Menschenrechtszentrums "Fray Bartolomé de las Casas", Chiapas (Carea)

Vorgeschichte
Im Juni 2009 hatte Frayba in einer Pressemitteilung über die Einschüchterung gegen Frayba, an den Tagen 14., 15. und 16. Juni berichtet. Diese bestanden vor allem im Fotografieren, Filmen und der Überwachung der Aktivitäten seiner MitarbeiterInnen.
In den darauf folgenden zwei Monaten hat sich die Situation verschärft. Das Menschenrechtszentrum erklärte, Zielscheibe einer Reihe von negativen Berichten durch regierungsnahe Medien zu sein, die auch die von Frayba begleiteten Gemeinden betraf. Frayba betrachtet diese Berichterstattung, die zu Feindseligkeiten und Antipathie gegen seine MitarbeiterInnen führen könnte, als möglichen Auslöser sozialer Gewalt, Kriminalisierung der Arbeit von MenschenrechtsverteidigerInnen und damit als Einschränkung seiner Arbeit.

Aktuelle Vorkommnisse in chronologischer Reihenfolge
7. August 2009: Esdras Alonso González, Berater der „Nicht-Kooperierenden“ in der Gemeinde Mitzitón, stellt Strafanzeige gegen Diego Cadenas Gordillo, Hermann Bellinghausen sowie die Gemeindevorsteher von Mitzitón wegen „Störung des sozialen Friedens, Straßenblockade (was in Mexiko eine Straftat ist)“ sowie weiterer vermeintlicher Vergehen. Dieser Vorfall steht im Zusammenhang der Begleitung von sozialen Prozessen in der Gemeinde Mitzitón.
11. und 12. August 2009: Im Rahmen der Proteste gegen das Urteil des Obersten Gerichtshofs im Fall Acteal, wo nach Aussagen der Organisation der Opfer, Las Abejas, auch Paramilitärs freigelassen wurden, fotografierte eine Person und erkundigte sich nach den Organisatoren der Aktivitäten und nach MitarbeiterInnen von Frayba. Diese gab auf Nachfrage zu, zur mexikanischen Armee zu gehören.
17. August 2009: Auf der Rückfahrt von Acteal nach San Cristóbal, im Kontext einer gemeinsamen Veranstaltung der Abejas mit dem Vertreter des Hochkommissariats für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Alberto Brunori, stellten MitarbeiterInnen des Menschenrechtszentrums fest, dass ihnen ein Wagen ohne Nummernschild folgte, der sie überwachte. Dies wurde daran deutlich, dass der Wagen ebenfalls hielt, wenn sie anhielten.
17. und 18. August 2009: Im Büro des Menschenrechtszentrums wurde eine Person namens Francisco Javier Cervantes Morales vorstellig, die mit Diego Cadenas, Direktor von Frayba, zu sprechen wünschte. Er gab an, von Noé Castañón, Innenminister von Chiapas, entsandt worden zu sein, um direkten Kontakt zwischen dem Innenminister und Frayba sowie zu den Abejas herzustellen. Er äußerte zudem, dass Noé Castañón vom föderalen Innenminister in die chiapanekische Regierung geschickt wurde und bald den aktuellen Gouverneur Juan Sabines ersetzen würde, der den Bundesstaat in ein Desaster geführt hätte. Am folgenden Tag rief besagte Person erneut bei Frayba an, um die von ihm am Vortag vorgetragenen Informationen zu wiederholen und Diego Cadenas zu einem geheimen Treffen mit dem Innenminister in Ocosingo einzuladen. Daraufhin entschied der Direktor von Frayba, diese Informationen durch einen Anruf bei Noé Castañon zu überprüfen, der verneinte, jemanden zu Frayba entsandt zu haben.

Aktualisierte UA von Frayba (10.9.09)
In der Aktualisierung der UA von Frayba mit Datum vom 10. September weist das Menschenrechtszentrum auf weitere Vorfälle hin. So antwortete der Innenminister von Chiapas, Noé Castañón auf die von Frayba veröffentlichte UA (vom 27.8.) mit einem vierseitigen Fax, in dem er die Bekanntgabe des Besuchs von Francisco Javier Cervantes Morales sowie dessen Aussagen in der UA durch Frayba verurteilte. Darin äußerte er zudem, dass diese Bekanntmachung mit bösen Absichten geschah, um die Beziehung zwischen ihm (d.h. dem Innenminister) und dem Gouverneur zu schädigen. Dieses Schreiben wurde in den Medien verbreitet und hatte ambivalente Kommentare über Frayba und seinen Direktor zur Folge. Angesichts der Tatsache, dass die öffentliche Verbreitung des Schreibens absichtlich anstelle einer Klärung des Vorfalls zwischen den Beteiligten geschah, sieht Frayba seine Arbeit als Menschenrechtszentrum der Verunglimpfung ausgesetzt.
Zudem wurde Frayba in Zeitungsartikeln angeblich von Vertretern der ARIC (indigene Bauernorganisation in der Region Ocosingo) beschuldigt, eine Konfrontation zwischen Mitgliedern der ARIC und ZapatistInnen in Santo Tomás (Landkreis Ocosingo) provoziert zu haben, bei der es mehrere Verletzte sowie einen Toten auf Seiten der ARIC gab. Die Vertreter der ARIC dementierten in Briefen an Frayba, diese Beschuldigungen erhoben zu haben. Das Menschenrechtszentrum sieht in den Artikeln eine Fortsetzung der medialen und systematischen Einschüchterung seiner Arbeit und MitarbeiterInnen.

UA zum Angriff auf Mitarbeiter von Frayba und Bewohner von Jotolá und San Sebastián Bachajón (22.9.09)
Am 22. September veröffentlichte Frayba erneut eine UA. Diese verurteilt den Angriff von Mitgliedern der Organisation zur Verteidigung der Rechte der Indigenen und Kleinbauern (OPDDIC, Organización Para la Defensa de los Derechos Indígenas y Campesinos) auf Ricardo Lagunes Gasca, Anwalt von Frayba, sowie auf Anhänger der Anderen Kampagne der Gemeinden Jotolá und San Sebastián Bachajón in der Gemeinde Jotolá am 18. September. Dabei wurde Ricardo Lagunes beim Verlassen des Dorfes gestoppt, aus dem Auto gezerrt und geschlagen. Als ihm AnhängerInnen der Anderen Kampagne zu Hilfe eilten, setzten die Mitglieder der OPDDIC Schusswaffen ein und verletzten einen Bewohner von San Sebastián Bachajón am Bein.
In der UA weist das Menschenrechtszentrum auf den anhaltenden Krieg niederer Intensität in Chiapas hin, der von der föderalen und der lokalen Regierung gegen die EZLN und die Gemeinden im Widerstand geführt wird, und sieht den Angriff als Konsequenz desselben. Die OPDDIC wird als eine bewaffnete Organisation mit paramilitärischen Zügen beschrieben, die von verschiedenen Regierungsfunktionären gestützt und gedeckt wird, was dieser trotz verschiedener Übergriffe auf ZapatistInnen und AnhängerInnen der Anderen Kampagne in Chiapas Straffreiheit garantiert hat. Zudem erklärt das Menschenrechtszentrum, dass es durch die jüngsten Ereignisse seine Arbeit eingeschränkt sieht und stellt dies in den Zusammenhang mit dem Plan der Aufstandsbekämpfung, der die Neutralisierung der Arbeit von MenschenrechtsverteidigerInnen als ein Ziel benennt.

Hier kann die Eilaktion online unterzeichnet werden: www.chiapas98.de/ua.php?id=54

 

Unschuldig in Haft, Oaxaca (Comité 25 de Noviembre und Solidaritätskomitee für Juan Manuel Martínez Moreno)

Am 27.10.2006 wurde der US-Amerikaner Bradley Roland Will in Oaxaca erschossen. Er arbeitete als Filmemacher und Fotograf für die unabhängige Nachrichtenagentur Indymedia und dokumentierte die Aktionen rund um die Aufstandsbewegung APPO. Es ist anzunehmen, dass er von regierungsnahen Kräften umgebracht wurde. Am 16.10.2008 wurde jedoch Juan Manuel Martínez Moreno festgenommen, dem die Tat fälschlicherweise zur Last gelegt wird.

Weitere Informationen, Urgent Action und Solidaritätsaufruf
Patenschaftsaufruf für Juan Manuel Martínez Moreno

Wir bemühen uns, regelmäßig Informationsveranstaltungen zu den Themen unserer Arbeit in Chiapas und Guatemala durchzuführen. Wer eine solche Veranstaltung selbst organisieren möchte, kann uns gerne wegen einem Referenten oder einer Referentin dafür anfragen.

 

 

CAREA e.V. - Menschenrechtsbeobachtung in Chiapas und Zeugenbegleitung in Guatemala