CAREA in Guatemala

 

"Am 12. Februar 1982 kamen Gruppen von Militärs um 9 Uhr morgens in das Dorf Pacoj bei San Martin Jilotopeque, Bezirk Chimaltenango. Die Soldaten gelangten an drei verschiedenen Punkten ins Dorf und kreisten es ein. Viele Dorfmitglieder flüchteten, andere blieben in ihren Häusern versteckt. Die Soldaten zwangen einige Frauen, für sie zu kochen. Als sie gegessen hatten, begannen sie, die Dorfmitglieder in ihren Häusern umzubringen. In acht Häusern kamen 35 Personen zu Tode. Bevor sie umgebracht wurden, schnitt man ihnen die Zunge heraus oder sie wurden schwer geschlagen. Draußen vergewaltigten, folterten und töteten sie fünf Frauen in der Nähe einer Bergschlucht, sowie ein Kind und sieben Männer, die mit ihnen waren. An jenem Tag tötete das Militär in diesem Dorf 48 Personen: 20 Frauen, 16 Kinder und 12 Männer. Die Toten wurden von den Überlebenden in drei verschiedenen Massengräbern begraben."

Dies ist die Aussage eines Zeugen aus der Asociación para Justicia y Reconciliacicn (AJR - Gruppe für Gerechtigkeit und Versöhnung), einer Gruppe von Opfern und Überlebenden des guatemaltekischen Bürgerkrieges. Zusammen mit der Menschenrechtsorganisation CALDH (Centro para Accion Legal en Derechos Humanos) hat die AJR Klage gegen die ehemaligen Diktatoren Guatemalas Romeo Lucas Garcia und Efrain Rios Montt eingereicht. Sie werden für unzählige Massaker aus den Jahren 1981-1983 verantwortlich gemacht, wie das oben geschilderte. Die Opfer lebten meist in sehr entlegenen Orten der Regionen Ixcán, Ixil, Rabinal, Quiché und Chimaltenango.

Lange wurde über diese Geschehnisse geschwiegen, nie aber wurden sie vergessen. Die Wahrheitskommissionen der UNO und der katholischen Kirche dokumentierten viele dieser Verbrechen. In ihrem Abschlussbericht bewertet die Wahrheitskommission der UNO die Geschehnisse in der konfliktreichsten und blutigsten Periode des Bürgerkrieges von 1981-83 als Genozid an der indigenen Bevölkerung, als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Damit fallen die in dieser Zeit begangenen Verbrechen nicht unter die Amnestiegesetze.

Jetzt ist es Zeit, gegen die Straffreiheit und für Gerechtigkeit zu kämpfen. In den von CALDH angestrengten Gerichtsverfahren, die sich zurzeit in der Phase der Beweisaufnahme befinden, treten die Opfer persönlich als ZeugInnen der Anklage auf. CALDH brachte die erste Anklage gegen Lucas Garcia Anfang Mai 2000 ein, an der neun Dörfer der indigenen Bevölkerung beteiligt sind. Die zweite Anklage gegen Rios Montt wurde im Juni 2001 eingereicht, an der ca. 15 weitere Dörfer beteiligt sind.

Ziele dieser Gerichtsverfahren sind:

Da die ZeugInnen nicht anonym bleiben, ist eine der großen Sorgen in diesem Projekt die physische Sicherheit der Beteiligten. Man will die Risiken für die ZeugInnen sowie der anderen Gemeindemitglieder so weit wie möglich minimieren. Deshalb wurde den beteiligten Dörfern internationale Begleitung während der Prozesse angeboten. Derzeit beteiligen sich an dem Projekt mehr als 24 Dörfer aus fünf verschiedenen Regionen des Landes.

Internationale Koordination

Auf Anfrage von CALDH schlossen sich im Februar 2000 Begleitorganisationen aus den USA (NISGUA), Kanada (PAQG) und Österreich (ADA) zur Koordination der Begleitung in Guatemala CAIG zusammen. Gemeinsam tragen sie das Begleitprojekt ACOGUATE. Seit Anfang Mai 2000 befinden sich ständig freiwillige BegleiterInnen aus Europa und Nordamerika im Einsatz. In einem eigenen Büro in GuatemalaStadt leitet die Koordination CAIG das Projekt in Zusammenarbeit mit CALDH und den begleiteten Dörfern. Ihre Aufgabe ist die Orientierung, Vorbereitung und Einteilung der internationalen BegleiterInnen. Weiterhin kümmert sie sich um die Öffentlichkeitsarbeit, die Verbreitung von Informationen und "Urgent Actions" auf internationaler Ebene.

Zeugenbegleitung - Acompañamiento

Die BegleiterInnen leben mit den ZeugInnen in ihren Dörfern und begleiten diese auf ihren Reisen und im alltäglichen Leben. Es wird immer im Team von zwei Personen gearbeitet.

Durch die internationale Begleitung sollen die Risiken der ZeugInnen sowie der anderen Gemeindemitglieder während der Gerichtsprozesse verringert werden.

Die Erfahrung zeigt, dass Einschüchterungen und Todesdrohungen durch internationale Präsenz zurückgehen.

Aufgaben der BegleiterInnen:

Selbstverständnis:

Vorraussetzungen:

Vorbereitungsseminar:

Die Projektkoordination CAIG in Guatemala nimmt nur Freiwillige an, die auf ihren Aufenthalt vorbereitet wurden und ein Empfehlungsschreiben einer Partnerorganisation vorweisen können.

CAREA e.V. bereitet die Freiwilligen auf einem mit unseren Partnerorganisationen abgestimmten Seminar auf ihren Einsatz vor und stellt gegebenenfalls ein solches Empfehlungsschreiben aus.

In Guatemala Stadt nehmen die Freiwilligen an einer weiteren, einwöchigen Vorbereitung bei CAIG teil. Die Koordination in Guatemala behält sich vor, die Freiwilligen nochmals auszuwählen.

Die Freiwilligen fahren auf eigene Verantwortung.

Die Vorbereitung, an der auch Personen teilnehmen können, die sich noch nicht sicher sind, ob sie als BegleiterIn nach Guatemala fahren wollen, findet auf einem Seminar von 3 Tagen statt. Im Seminar geht es um die Klärung der Motivation, einen Überblick über die Geschichte Guatemalas, Stand der Umsetzung der Friedensverträge und eine Vorstellung des Projektes. Es gibt Vorträge, Arbeitsgruppen und Rollenspiele zur Arbeit und zum Verhalten in indigenen Gemeinden, in kritischen Situationen, in der Teamarbeit und bei der Begleitung.

Seminartermine:

Das nächste Vorbereitungsseminar findet vom 13. - 16. Dezember 2007 in Hagen statt.
Die Kosten für das Seminar betragen 70,- Euro (zzgl. Fahrtkosten).
Alle Interessierten bekommen auf Anfrage von uns zur Vorbereitung auf das Seminar einen ausführlichen Reader (gegen 7 € inkl. Versandkosten) zugeschickt.

Anmeldeschluss ist der 20. November 2007. Interessierte bekommen von uns einen Motivationsbogen zugeschickt, der vor dem Seminar an das Büro in Berlin zurückgesendet werden muss.

Weitere Infos gibt es über das Büro in Berlin zu beziehen

CAREA e.V.

CAREA e.V. war von 1992 bis 1998 in der Begleitarbeit in Guatemala tätig. Damals wurden Bürgerkriegsflüchtlinge von Mexiko zurück nach Guatemala begleitet. 1998 wurde die Arbeit in Guatemala zugunsten der Menschenrechtsbeobachtung in Chiapas/ Mexiko eingestellt. Seitdem führt CAREA zweimal jährlich Seminare zur Vorbereitung von Freiwilligen durch, die in Chiapas arbeiten wollen. Aufgrund der Bitte um Begleitung nahm CAREA 2003 den Kontakt nach Guatemala wieder auf.

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