Menschenrechtsbeobachtung in den zivilen Friedenscamps
Seit 1995 widmet sich das Menschenrechtszentrum "Fray Bartolomé de las Casas" der Diözese von San Cristóbal der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen in Chiapas. Im Februar 1995 verursachte eine Militärinvasion in der Region "Las Cañadas" im chiapanekischen Konfliktgebiet mehrere Tausend interne Flüchtlinge, die sich wenige Wochen später in Begleitung nationaler und internationaler Beobachter und Beobachterinnen in ihre Gemeinden zurückwagten. Diese traumatisierten Gemeinden äußerten verstärkt den Wunsch nach einer dauerhaften Präsenz von internationalen Beobachtern und Beobachterinnen zum Schutz vor erneuten Übergriffen und Menschenrechtsverletzungen seitens der Militärs.
Zur Umsetzung der Bitten und Anfragen vieler zapatistischer Gemeinden nach nationaler und internationaler Beobachtung gründete sich innerhalb des Menschenrechtszentrum die Abteilung "Friedenscamps". Es wurde die Aufgabe übernommen, in möglichst vielen Dörfern "zivile Friedenscamps" einzurichten, in denen sich nach Möglichkeit dauerhaft mehrere nationale und internationale Menschenrechtsbeobachter und Beobachterinnen jeweils für 2 bis 4 Wochen in der Gemeinde aufhalten konnten. Neben der Dokumentation der Menschrechtssituation vor Ort dient der Aufenthalt von Beobachtern und Beobachterinnen aber auch der Schaffung von Räumen für die Zivilgesellschaft, damit die Gemeinden möglichst unbehelligt vom Militär ihre eigenen Dynamiken erhalten und entfalten können.
Seit 1998 akzeptiert das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas nur noch Beobachter und Beobachterinnen, die zuvor von einer seiner Partnerorganisationen ausgewählt und umfangreich auf ihren Einsatz vorbereitet worden sind sowie ein Empfehlungsschreiben dieser Organisation vorweisen können. In Deutschland leistet diese Vorbereitung CAREA e.V. in halbjährlich stattfindenden Seminaren.
Vorbereitungsseminare
Die Vorbereitung durch Carea e.V. findet auf zwei Seminaren von jeweils 3 Tagen statt, an denen auch Leute teilnehmen können, die sich noch nicht sicher sind, ob sie als BeobachterIn nach Mexiko fahren wollen. Das erste Seminar soll zunächst grundlegende Kenntnisse vermitteln, während es beim zweiten Seminar verstärkt um spezifische Themen und Rollenspiele geht.
Es gibt Vorträge, Arbeitsgruppen und Rollenspiele zu: Geschichte und Politik Mexikos, zapatistischer Aufstand, Krieg niederer Intensität, Aufgaben, Rechte und Pflichten der BeobachterInnen, Menschenrechte im Rahmen des Völkerrechts, mexikanische Gesetzgebung, Verhalten in indigenen Gemeinden, Verhalten in Konfliktsituationen, Nachbereitung des Aufenthaltes und Öffentlichkeitsarbeit.
Zwei Seminare scheinen angesichts der komplexen Situation vor Ort und damit der Fülle von Themen angebracht und müssen beide wahrgenommen werden. Nach der Teilnahme an den Seminaren stellt Carea e.V. denjenigen, die als freiwillige MenschenrechtsbeobachterInnen nach Chiapas gehen wollen, das erforderliche Empfehlungsschreiben aus. Die Freiwilligen fahren auf eigene Verantwortung.
Alle Interessierten bekommen auf Anfrage von uns zur Vorbereitung auf die Seminare einen ausführlichen Reader (gegen 7,- EURO inkl. Versandkosten) zugeschickt.
Die nächsten Seminartermine
Aufgaben der BeobachterInnen
- Sie besuchen die Gemeinden, in welche sie vom Menschenrechtszentrum "Fray Bartolomé de las Casas" geschickt werden.
Sie sollen sehen und gesehen werden. Ihre bloße Präsenz soll Übergriffe auf die Zivilbevölkerung verhindern. Sie dokumentieren Truppenbewegungen der Bundesarmee, Übergriffe auf die Gemeinden, Menschenrechtsverletzungen, die allgemeine Situation in den Dörfern und reichen diese Informationen an das Menschenrechtszentrum und CAREA e.V. weiter. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland tragen die BeobachterInnen durch Öffentlichkeitssarbeit dazu bei, ihre Erfahrungen
und den Konflikt in Chiapas bekanntzumachen.Selbstverständnis
- Achtung der selbstgewählten Strukturen der Gemeinden
- Nichteinmischung in interne Angelegenheiten
- Gewaltfreiheit in allen Handlungen
- keine Einmischung in Konfliktsituationen
- Achtung der nationalen Gesetzgebung
Voraussetzungen
- ausreichende Spanischkenntnisse
- Teamfähigkeit und soziale Kompetenz
- Psychische und physische Belastbarkeit
- politisch-soziales Engagement
- Mindestalter von 21 Jahren
- Teilnahme an beiden Vorbereitungseminaren
- zeitlicher Spielraum von mindestens 6 Wochen
- eigene Finanzierung der anfallenden Kosten
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