1968–2018: Der Prager Frühling – Erinnerung, Erkenntnisse, Kontroversen

30.06.2018, Berlin

Ohne Demokratie, ohne Freiheit ging und geht nichts.

Die Jugendrevolte von 1968 liegt 50 Jahre zurück. Jenseits des Boulevards der aktuellen Erinnerung an die kulturellen Umbrüche, Impulse und Folgen und des damit verbundenen weltweiten Protestes lädt das (im Aufbau befindliche) GESCHICHTS-KOLLEG der Kurt und Herma Römer Stiftung zu dieser Arbeitstagung ein, um den Blick auf die politische Reformbewegung der 1960er-Jahre in der damaligen Tschechoslowakei zu richten. Diese Bewegung war Teil des globalen 1968 und hat antiautoritäre und radikaldemokratische gesellschaftliche Strömungen in Ost und West inspiriert. Was ist davon übriggeblieben?

Einerseits gilt das „brutale Ende des ‚Prager Frühlings‘ im August 1968 als Symbol der gescheiterten Versöhnung von Demokratie und Sozialismus.“[1]

Andererseits „steht der ‚Prager Frühling‘ exemplarisch für einen Knotenpunkt in der Endgeschichte des Realsozialismus.“ In einem Atemzug mit dem Euro-Kommunismus wird er als „letzte Chance für den Sozialismus im 20. Jahrhundert“ eingeordnet.[2]Im Mittelpunkt der Tagung stehen das Scheitern der ReformerInnen in der Kommunistischen Partei (KPdTsch) und der demokratischen Bewegungen in der 1968er-Tschechoslowakei sowie die Frage: Was haben der Aufstieg und schlussendliche Niedergang der eurokommunistischen Strömung mit den Entwicklungen und der Vorgeschichte des ‚Prager Frühling‘ zu tun?

Herma und Kurt Römer hatten eine besondere Verbindung in diese Reformbewegungen der 1960er- und 1970er-Jahre hinein. Beide waren menschlich und politisch eng verbunden mit überlebenden tschechoslowakischen Häftlingen des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück, insbesondere mit der Journalistin Hanka Housková. Diese blieben mit ihrer Bitte an die Lagergemeinschaften ihrer europäischen Kameradinnen im KZ um Solidarität gegen den militärischen Einmarsch des „Warschauer Paktes“ am 25. August 1968 nahezu ungehört.
Ihre anschließende weitgehende Isolation und Diffamierung in der tschechoslowakischen Gesellschaft, deren Medien, der KPdTsch und der Gewerkschaften hielt bis 1990 an.
Der Stalinismus hat auch hier seinen langen Schatten geworfen.

Das Schicksal der Ravensbrücker Häftlingsfrauen nach der Niederschlagung des ‚Prager Frühlings‘ hat die Kurt und Herma Römer Stiftung zu dieser offenen Arbeitstagung angeregt. Ohne eine solche Erinnerungsleistung kann die Suche nach gesellschaftlichen Alternativen im globalen Kapitalismus und die Stärkung von Autonomie und Emanzipation nicht gelingen.

  • Norbert Frei, 1968, Jugendrevolte und globaler Protest, München 2017, Seite 189
  • Christoph Lieber, Von der „Kunst des Aufstandes“ zum Ausbleiben „sozialistischer Regierungskunst“, in: Supplement der Zeitschrift „Sozialismus“ (Hamburg 12/2017), Seite 15

DatumSamstag, 30. Juni 2018

Uhrzeit: 12 bis 19 Uhr

Ort: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

Die Teilnahme ist kosten- und gebührenfrei.

Programm_30.06.2018_Offene Arbeitstagung Prager Frühling und die Folgen